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Lumix Festival Hannover

  • Tolle, Sache… Die Reportage ist nicht allein in Perpignon, sie ist nun auch in Hannover. So mitten auf dem platten Land, im herunter gekommen Areal der Expo 2000. Zwischen und in verfallenden Ausstellungsgebäuden, BMW und TUI Arena, in der Fachhochschule. Ein Licht durchfluteter Stahl-Glas-Bau, durchsichtig und gross. Hier sammeln sich also die Verfechter der Reportage, für die es keine Abnehmer mehr gibt (oder geben soll), die aber immer noch das A und O jedes engagierten Fotografen, das non plus Ultra der Herausforderung ist. 
  • Hut ab vor den Organisatoren, da steckte eine Menge guter Arbeit drin. Viel Sachkenntnis, Zeit und Erfahrung, um so ein neues Festival auf die Beine zu stellen. Besonders: die immer hilfsbereiten und freundlichen Helferinnen und Helfer, erstaunlich.
  • Nach dem Durchgang und der Durchsicht von fast 1.300 Fotos, die wohl kaum einer gesehen hat, vielmehr daran vorbei gegangen ist, das Resüme. Die Reportage ist tot. Sie ist totlangweilig, beinhaltet hauptsächlich Tod oder die wenigen Stationen davor. Und sie ist dunkelgrau bis schwarz. Zumindest, wenn es um Länder und Menschen geht, die nicht weiss, Mitteleuropäisch oder Nordamerikanisch sind. Im unendlich scheinenden Skywalk reihen sich diese Bilder an Bilder und immer sind sie schwarz, reduziert auf wenige Graustufen, sollte mal in Farbe fotografiert worden sein, sind auch diese schwarz, dunkel bis zur Unkenntlichkeit unterbelichtet. Eben solange kein Europäer drauf zu sehen ist. Ähnliche Geschichten aus England, Deutschland, den USA sind hell, freundlich, farbig. Grotesk, diese Form von unterschwelligen Rassismus. Ich hab mich lange dagegen gewehrt, dies so zu betrachten, aber irgendwann ist einfach das Mass voll. 
  • Zum Glück wiederholt sich das nicht in allen weiteren Ausstellungshallen, auch wenn die Tendenz zu Bildern von Menschen, die nichts mehr von Leben erwarten, denen sämtliche Lebensfreude abhanden gekommen ist, nicht zu übersehen ist. Da sind dann die organge gekleideten Helfer und Helferinnen schon mal eine freudige Abwechslung in den schlecht beleuchteten Ausstellungsräumen mit trüben, aussichtslosen Geschichten einer verkommenden Welt. 
  • Woher das kommen mag? Vielleicht ist es einfacher, als verhältnismäßig gut situierter Mensch, der auch wieder schnell in seine Heimat zurück kann, das Elend anderer zu (unter)beleuchten. Vielleicht ist auch das zu einfach, aber mit Sicherheit ist es schwerer, in der selben Umgebung Lebensfreude, Überlebenswillen, schöpferische Kraft und Mut für die Zukunft zu entdecken. Das passt offensichtlich nicht in die vorherrschende Weltsicht. Die wenigen Ausnahmen muss man hier wirklich suchen, wenn nicht vorher schon Müdigkeit und Hoffnungslosigkeit beim Besucher überhand gewonnen haben.
  • Nun schwärmen HAZ bis FAZ vom Festival, seinen engagierten Machern, Fotografen und den Reportagen. Das hört sich wie der Protest gegen die Schließung eines Kinos an, das sowieso niemand mehr besucht hat. Aber man wird es vermissen. Irgendwie, vielleicht. 
  • Mehr Licht. Der Slogan auf T-Shirts im FH Gebäude. Ist zu wünschen. Den ausgestellten Bildern. Die fristen oftmals ein Schattendasein. Den Fotografen, wenn sie ihre Bilder belichten. Den Themen, man kann sie wieder ans Licht holen, wenn man nur will.

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